Faktor-XI- versus Faktor-Xa-Hemmer: Deutlich weniger Blutungen

Direkte Vergleichsstudie-- In der Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern zeigte der Faktor-XI-Hemmer Abelacimab ein merklich geringeres Blutungsrisiko als Rivaroxaban. Der Schlaganfallschutz lässt sich noch nicht beurteilen.

Von Dirk Einecke Veröffentlicht:
Hoffnungsträger für eine sicherere Antikoagulation:Inhibitoren von Faktor XI bzw. XIa ... ustas/stock.adobe.com

Hoffnungsträger für eine sicherere Antikoagulation: Inhibitoren von Faktor XI bzw. XIa ...

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Mit den Faktor-XI-Hemmern ist eine neue Generation Antikoagulanzien am Start, von der man sich im Vergleich zu den etablierten DOAKs vergleichbare Effektivität, aber höhere Sicherheit erwartet, sprich ein geringeres Blutungsrisiko. In klinischer Entwicklung befinden sich die beiden oralen Faktor-XIa-Inhibitoren Milvexian von Bristol-Myers Squibb, Asundexian von Bayer sowie der Antikörper Abelacimab von Anthos Pharmaceuticals.

Monoklonaler Faktor-XI-Hemmer

Bei letztgenannter Substanz handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper, der bei einmal monatlicher subkutaner Gabe Faktor XI zu über 90 % hemmt bzw. die Formation von aktiviertem Faktor XIa unterbindet.

Phase-II-Studie AZALEA-TIMI 71

Beim Jahreskongress der American Heart Association wurden die Ergebnisse der Phase-II-Studie AZALEA-TIMI 71 in einer Hotline-Session vorgestellt, welche die Wirkung von Abelacimab mit derjenigen von Rivaroxaban bei 1.287 Patienten mit Vorhofflimmern und mittlerem bis hohem Schlaganfallrisiko in drei Gruppen verglich. Zwei Gruppen erhielten den Antikörper in Dosierungen von 150 mg bzw. 90 mg einmal monatlich, die dritte Gruppe Rivaroxaban 20 mg/d. Primärer Endpunkt war die Sicherheit, sprich schwere oder klinisch relevante Blutungen.

Blutungsrisiken sinken um 70 % bis 80 %

... werden teils subkutan appliziert. microgen/Getty Images/iStock

... werden teils subkutan appliziert.

© microgen/Getty Images/iStock

Die Studie wurde aufgrund des deutlich unterschiedlichen Blutungsrisikos nach einer medianen Laufzeit von 21 Monaten vorzeitig gestoppt. In dieser Zeit hatten 8,1 % der Probanden unter Rivaroxaban eine Blutung im Sinne des primären Endpunkts erlitten, sowie 2,7 % (150 mg) bzw. 1,9 % (90 mg) unter Abelacimab. Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion von 67 % bzw. 77 %. Die Risiken für schwere (major) Blutungen sanken um ca. 74 % bzw. 81 % von 3,7 % auf 1,0 % bzw. 0,7 %, diejenigen für gastrointestinale Blutungen um 93 % von 2,1 % auf 0,1 %. Gastrointestinale Blutungen wurden fast eliminiert, so Studienleiter Prof. Christian Ruff vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. Die Verträglichkeit sei gut gewesen.

Nur wenige Schlaganfälle

Die Studie war zu klein, um die Schutzwirkung vor Thromboembolien schlüssig zu beurteilen. Insgesamt waren nur 25 Schlaganfälle aufgetreten, ischämische Schlaganfälle wurden jährlich zu 0,7 % unter Rivaroxaban sowie zu 1,1 % bzw. 1,3 % unter Abelacimab registriert. Immerhin waren die Raten in allen Therapiearmen sehr niedrig. Der Antikörper wird nun in der 150-mg-Dosis in Phase-III-Studien weiter untersucht.

Fazit

In einer Vergleichsstudie mit Rivaroxaban zeigt der Faktor-XI-Hemmer Abelacimab überlegene Sicherheit.

Es traten zu wenige Schlaganfälle auf, um die Schutzwirkung vor Thromboembolien beurteilen zu können.

Der monoklonale Antikörper wird nun in Phase III weiter untersucht.

Quelle-- American Heart Association, Scientific Sessions, Philadelphia, 11. bis 13. November 2023

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