Frühzeitige TAVI von Vorteil?

Aortenklappenstenose-- Eine retrospektive, aber große Beobachtungsstudie findet eine erhöhte 1-Jahres-Sterblichkeit nach einer TAVI, sofern die Aortenstenose bereits zuvor zu Komplikationen geführt hat. Dies befeuert die Frage nach dem optimalen Timing.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
TAVI-- Auf das Timing kommt es an. mehmet/stock.adobe.com

TAVI-- Auf das Timing kommt es an.

© mehmet/stock.adobe.com

In einer retrospektiven Beobachtungsstudie, die rund 5.900 Patienten und Patientinnen mit Aortenklappenstenose erfasste, ging eine Forschergruppe aus Dänemark der Frage nach, was eine kardiale Dekompensation für die Erfolgsaussichten einer späteren Transkatheter-Aortenklappenimplantation bedeutet. In der Analyse berücksichtigt wurden alle Frauen und Männer, bei denen zwischen 2014 und 2021 eine Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) durchgeführt wurde und die im nationalen Krankenregister Dänemarks gelistet waren.

Kardiale Ereignisse vor TAVI steigern die Mortalität

Es stellte sich heraus, dass 13 % (n = 759) innerhalb von 180 Tagen vor dem TAVI-Eingriff wegen Synkope, Myokardinfarkt oder dekompensierter Herzinsuffizienz stationär behandelt worden waren. Herzinsuffizienz war dabei der häufigste Einweisungsgrund (n = 524). Ging der TAVI eine dieser Komplikationen voraus, war das Risiko, innerhalb eines Jahres nach Klappenersatz zu sterben, höher als bei Patienten ohne entsprechende kardiale Zwischenfälle (11,7 % vs. 8,0 %). Besonders gefährdet waren Personen mit der Diagnose Herzinsuffizienz, ihr 1-Jahres-Sterberisiko erreichte 13,5 %. Auch bei Einbeziehung wichtiger Kofaktoren blieb die Sterberate in der Ereignisgruppe erhöht (aHR 1,29). Für die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres nach TAVI erneut stationär behandelt werden zu müssen, fand sich ein ähnlicher Zusammenhang.

Die Frage des optimalen Timings bleibt

Bei Aortenklappenstenose ist mit einem schlechteren Outcome nach TAVI zu rechnen, wenn zuvor bereits Synkopen, Myokardinfarkt oder Herzinsuffizienz zu einer stationären Behandlung geführt hatten, so das Resümee der Autoren aus Dänemark. Sie räumten allerdings ein, dass der Beweis für einen kausalen Zusammenhang anhand der Daten nicht geführt werden könne. Auffallend war aus Sicht der Experten nicht nur der mit 13 % hohe Anteil von Patientinnen und Patienten mit vorausgegangenen kardialen Ereignissen, sondern auch die Beobachtung, dass davon mehr als die Hälfte länger als ein Jahr auf den minimalinvasiven Klappenersatz gewartet hatte. Bislang werde aufgrund fehlender Evidenz nur selten bei asymptomatischen Patientinnen und Patienten eine TAVI durchgeführt, aber vielleicht müsse dieses Vorgehen überdacht werden. Denn dass ein frühzeitiger Klappenersatz von Nutzen sein kann, habe u. a. die AVATAR-Studie gezeigt, so die Autoren. Neue Erkenntnisse zum optimalen Timing der TAVI erhoffen sie sich von der aktuell laufenden EARLY-TAVR-Studie sowie von den DANVAR-, EASY-AS- und EVOLVED-Studien.

Fazit

Kardiale Komplikationen vor einer TAVI verschlechterten die Prognose des Eingriffs in einer großen retrospektiven Studie.

Derartige Komplikationen waren in der Studienkohorte bei 13,5 % der Patienten aufgetreten.

Neue Erkenntnisse zum optimalen Timing einer TAVI werden bald prospektive Studien ergeben.

Literatur-- Strange JE et al. Am Heart J. 2023; https://doi.org/10.1016/j.ahj.2023.11.003

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