Herzrhythmusstörungen (und Ablationen) auf dem Vormarsch

Deutscher Herzbericht-- Anders als bei den perkutanen Interventionen gibt es bei rhythmologischen Eingriffen keinen Negativtrend. Auch die Sterblichkeit ist relativ konstant. Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung, die Ablationstherapie befindet sich auf einem Höchststand.

Von Philipp Grätzel Veröffentlicht:
Die Radiofrequenzablation ist mit die häufigste Ablationsmethode. RF BSIP/stock.adobe.com

Die Radiofrequenzablation ist mit die häufigste Ablationsmethode.

© RF BSIP/stock.adobe.com

Der neue „Herzbericht 2022“, der unter der Ägide der Deutschen Herzstiftung herzmedizinische Versorgungsdaten des Jahres 2021 zusammenstellt, macht die Herzrhythmusstörungen zu einem Hauptthema. Überraschend: Bei den Hauptdiagnosen der Krankenhäuser landeten Vorhofflattern und Vorhofflimmern im Jahr 2021 mit 302.000 Codierungen auf Platz zwei, direkt hinter der Herzinsuffizienz mit knapp 440.000 Codierung und noch vor den Schlaganfällen (247.000 Codierungen) und den alkoholbezogenen psychischen Störungen (234.000 Codierungen).

Zwar gab es, wie bei anderen herzmedizinischen Indikationen, auch bei den Krankenhausaufnahmen wegen Rhythmusstörungen seit 2018 einen Rückgang, um etwa 8 %. Keinen Rückgang gab es dagegen bei den Ablationen. Hier war 2021 mit 102.737 Prozeduren ein Rekordjahr, nach gut 94.000 in 2020 und etwa mehr als 96.000 in 2019. Die Analyse nach Einrichtungen zeigt, dass fast zwei Drittel der Einrichtungen mehr als 150 Ablationen pro Jahr vornehmen. Umgekehrt landet aber immer noch ein knappes Viertel der Einrichtungen bei weniger als 100 Ablationen pro Jahr. Was die Methoden angeht, stehen Radiofrequenzablation und Kryoablation weiter deutlich im Vordergrund. Einrichtungen, die mit ultraschallbasierten Methoden arbeiten, sind Exoten.

Verteilung der Einrichtungen nach Anzahl der Ablationen (2021; Quelle: Deutscher Herzbericht 2022). Deutscher Herzbericht 2022

Verteilung der Einrichtungen nach Anzahl der Ablationen (2021; Quelle: Deutscher Herzbericht 2022).

© Deutsche Herzstiftung

Keine Abnahme der Sterblichkeit

Die insgesamt wachsende Bedeutung der Herzrhythmusstörungen im kardiologischen Versorgungsspektrum sehe man auch daran, dass es eine Indikation ist, bei der es – anders als bei Herzinfarkt und Herzinsuffizienz – in den letzten zehn Jahren keine Abnahme der Sterblichkeit gegeben habe, sagte Prof. Thomas Voigtländer, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Altersstandardisiert pro 100.000 Einwohner sterben seit Jahren konstant zwischen 28 und 32 Menschen pro Jahr an Herzrhythmusstörungen. Die absolute Zahl der Gestorbenen stieg u. a. als Folge des demografischen Wandels zwischen 2011 und 2021 von 23.677 auf 28.219 Menschen.

Herzchirurgische Ablationen

Prof. Volkmar Falk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, wies darauf hin, dass auch die Herzchirurgie mittlerweile einen relevanten Beitrag im Kampf gegen die Epidemie des Vorhofflimmerns leiste, nämlich durch die herzchirurgische Ablation. „Wir machen das mittlerweile recht häufig, und wir erreichen nach einem Jahr bei 60 % der Patienten Freiheit von Vorhofflimmern. Dieser Eingriff als Add-on zu Herzklappen- und Bypasschirurgie erhöht das Eingriffsrisiko im Wesentlichen nicht.“ Daten zu der herzchirurgischen Ablation werden seit 2017 im Deutschen Herzchirurgischen Vorhofflimmer-Register gesammelt. Neun von zehn chirurgische Ablationen sind demnach Add-on-Eingriffe. Insgesamt wird derzeit bei etwa 5 % der herzchirurgischen Eingriffe ein bekanntes Vorhofflimmern mittherapiert. Technisch stehen auch hier Radiofrequenz- und Kryoablation im Vordergrund. Bei einem hohen Anteil der Patienten erfolgt zusätzlich ein Vorhofohrverschluss.

Quelle-- Pressekonferenz Deutscher Herzbericht 2022, 21.9.2023 in Berlin

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