Gesellschaftliche und individuelle Maßnahmen

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Von Prof. Johann Bauersachs Veröffentlicht:
Prof. Johann Bauersachs, Hannover Bauersachs

Prof. Johann Bauersachs, Hannover

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Der fortschreitende Klimawandel führt zu vermehrten Extremwetterereignissen und häufigeren bzw. extremeren Hitzeperioden auch in unseren Breiten. Die Weltgemeinschaft hat sich auf der COP28 in Dubai im Dezember 2023 auf einen Übergang weg von fossilen Brennstoffen geeinigt, das lange umstrittene Abschlussdokument scheint jedoch nicht wirklich verbindlich zu sein. Dr. B. Wein und Prof. E. Hertig aus Augsburg fassen in ihrem Beitrag die durch den Klimawandel, insbesondere durch vermehrte Hitzeperioden, bedingten Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Mortalität und Morbidität eindrucksvoll zusammen. Sicherlich müssen auf globaler und regionaler Ebene alle Anstrengungen unternommen werden, um den Klimawandel zu begrenzen. Da jedoch auch bei Erreichen der Klimaziele eine globale Erwärmung unvermeidlich zu sein scheint, sind Konzepte zum Schutz der Bevölkerung und speziell für kardiovaskuläre Patienten essenziell. Für Deutschland hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im November 2023 eine Statuskonferenz zum Hitzeschutzplan abgehalten. Lokale Hitzeaktionspläne müssen bis 2025 in allen deutschen Kommunen implementiert werden, hierbei hilft die vom BMG unterstützte Website „hitzeservice.de“ der LMU München. Das RKI soll zukünftig monatliche Auswertungen vorlegen zur Übersterblichkeit durch Hitze in Deutschland.

Wir Kardiologinnen und Kardiologen müssen unseren Patienten Hinweise geben, um bei starken bzw. extremen Hitzeperioden das persönliche Verhalten bzw. die (Dosis der) Medikation anzupassen. Hierzu gehören z. B. Empfehlungen wie Aufenthalt in klimatisierten Räumen bzw. für Luftzug zu sorgen, Vermeiden von direkter Sonneneinstrahlung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr (einschließlich Lockerung von Trinkmengenbegrenzungen bei Patienten mit Herzinsuffizienz). Medikamente wie Diuretika sollten zeitweise unter Gewichtskontrollen in der Dosis reduziert bzw. pausiert werden, Antihypertensiva wie Kalziumantagonisten bei ohnehin durch die Hitze verstärkte Vasodilatation sollten reduziert bzw. pausiert werden unter vermehrten Eigen-Blutdruckmessungen. Medikamente, die bei Exsikkose mit teils schweren Nierenfunktionsverschlechterungen einhergehen wie RAS-Blocker bzw. MR-Antagonisten, sollten passager reduziert/pausiert werden. Prävention von Hitzetod bzw. Hitzeschäden bei unseren Patienten durch individuelle Kommunikation tut not – hier sind Kardiologen genauso gefordert wie Allgemeinmediziner und Internisten.

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