MINOCA – eine Herausforderung in der Diagnostik und Therapie
MINOCA-- Bei einem kleinen Anteil der Herzinfarkte kann keine relevante stenosierende koronare Herzerkrankung gefunden werden. Dann gilt es, mittels Bildgebung die Ursache zu identifizieren, um eine passende Therapie einzuleiten.
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Abb. 1-- Fallbeispiel mit Kardio-MRT (links) und TEE mit Nachweis eines PFO (Übertritt von „Bubbles“; rechts). Die zugehörigen Brustwandableitungen waren unauffällig, die Extremitätenableitungen zeigen auffällige QRS-Komplexe.
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Fallbeispiel mit Ruhe-EKG bei Vorstellung
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Definition und Diagnosestellung

Dr. Michael Paukovitsch-- Universitäres Herzzentrum Ulm
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Dr. Dominik Felbel-- Universitäres Herzzentrum Ulm
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Obwohl sie die Definition des Myokardinfarktes im Sinne einer ischämischen Troponinerhöhung sowie typischer Symptomatik erfüllen, können bei 6 % der Myokardinfarkte angiografisch keine die Ischämie erklärenden Stenosierungen (> 50 % in den epikardialen Gefäßen, FFR < 0,8) festgestellt werden [1], sodass – wie im dargestellten Fall – die deskriptive Arbeitsdiagnose eines Myokardinfarktes ohne obstruktive Koronararterien (MINOCA) angenommen werden muss. Hinweise auf eine extrakardiale Ursache eines (nicht ischämischen) Myokardschadens (z. B. Lungenembolie, Sepsis) ergaben sich bei unserem Patienten nicht und sollten vor Stellen der Diagnose MINOCA im Vorfeld ausgeschlossen werden [2, 3]. Eine myokardiale Ischämie ist bei MINOCA ursächlich [2], sodass nicht ischämische Ursachen wie eine Myokarditis oder Tako-Tsubo-Kardiomyopathie explizit nicht hinzugerechnet werden [3, 4]. Abb. 2 zeigt in Anlehnung an gängige Leitlinien [2, 3] einen modifizierten diagnostischen Algorithmus für eine Abklärung bei MINOCA.
Neben Plaque-Ruptur, Vasospasmen, koronararteriellen Embolisationen oder Thrombosen sind Störungen der mikrovaskulären Zirkulation als häufige Ursachen eines MINOCA bekannt. Auch eine sogenannte Typ-II-Myokardischämie, z. B. getriggert durch Tachyarrhythmie, kann in Abwesenheit von signifikanten Stenosen ebenso als MINOCA klassifiziert werden [3].

Diagnosealgorithmus MINOCA Abb. 2-- Modifizierter Algorithmus zur MINOCA-Abklärung.
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Koronarangiografie
Im ersten Schritt muss bei akuter ischämischer Myokardschädigung eine Linksherzkatheteruntersuchung mit Koronarangiografie erfolgen. Lävokardiografisch können Wandbewegungsstörungen identifiziert sowie nicht zu MINOCA gehörende Differenzialdiagnosen des Myokardschadens wie eine Tako-Tsubo-Kardiomyopathie oder eine Myokarditis diagnostiziert werden. Eine Myokardbiopsie zur Sicherung einer Myokarditis soll erwogen [5] und kann bereits in der Indexprozedur durchgeführt werden. Besteht in der Koronarangiografie keine relevante Stenosierung (< 50 % Stenose in epikardialen Gefäßen), sollten bereits während der Indexprozedur intravaskulärer Ultraschall (IVUS) und die optische Kohärenztomografie (OCT) angewendet werden, um Dissektionen, Thromben, Plaqueerosionen sowie -rupturen zu identifizieren [6].
Sofern nach Koronarangiografie mit IVUS oder OCT keine Ursache für eine myokardiale Ischämie festgemacht werden kann, ist eine weitere Abklärung mittels Kardio-MRT indiziert und bei allen Patienten mit MINOCA unklarer Ursache mit einer Klasse-Ib-Indikation empfohlen [2]. Dies ergänzt die Ausschlussdiagnostik der nicht MINOCA-bedingten Myokardschädigungen: Eine Myokarditis kann mittels T2-Mapping oder T2-gewichteten Sequenzen zum Nachweis eines myokardialen Ödems sowie mittels weiterer Kriterien (T1-Mapping, Late und Early Gadolinium Enhancement) diagnostiziert werden [7]. Für die Tako-Tsubo-Kardiomyopathie ist die Darstellung des regionalen myokardialen Ödems bei fehlendem LGE im Bereich der regionalen Wandbewegungsstörung (apikal, basal, mittventrikulär oder fokal) typisch [8].
Kontakt-- Prof. Wolfgang Rottbauer, Universitäres Herzzentrum Ulm, Klinik für Innere Medizin II, Wolfgang.Rottbauer@uniklinik-ulm.de