As time goes by

Günter Breithardt zum Achtzigsten-- Am 19. Januar 2024 vollendete Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Breithardt sein 80. Lebensjahr. Unser gemeinsamer Start war die klinische Elektrophysiologie in Düsseldorf.

Von Prof. Ludger Seipel Veröffentlicht:
Prof. Breithardt (re) und Prof. Seipel (li) 1976 in beim AHA Miami. L. Seipel

Prof. Breithardt (re) und Prof. Seipel (li) 1976 in beim AHA Miami.

Als Günter Breithardt im Oktober 1971 seine Assistentenstelle in unserer Klinik antrat, mussten wir ihn erst noch für die Mitarbeit in der klinischen Elektrophysiologie gewinnen, denn er hatte seine Doktorarbeit über autohistoradiografische Untersuchungen von Herzmuskelgewebe geschrieben und dann in der Pathologie elektronenmikroskopische Untersuchungen nach Organkonservierung durchgeführt. Sein technisches Verständnis und Geschick beim „Elektrobasteln“ waren eine große Hilfe, etwa beim Umbau eines EKG-Gerätes für die intrakardiale Registrierung oder die Konstruktion eines Schaltkästchens für multiple Ableitungen. Bald war er als Mitarbeiter im elektrophysiologischen Team unentbehrlich.

1976 machte er den für mich exotischen Vorschlag einer Vortragsanmeldung für den Jahreskongress der AHA in Miami Beach. Bei aller Freude über die Annahme des „Abstracts“ waren für uns die Reisekosten ein echtes Problem. Um diese möglichst niedrig zu halten, reisten wir mit der Bahn nach Köln, weiter per Bus zum Flughafen Luxemburg und mit Luxair auf die Bahamas und von dort mit einem kleinen „Hopper“ nach Miami. Die Einreise in die USA wurde uns zunächst verwehrt, da wir zwar ein Visum aber keine Hotelreservierung hatten. Wir wurden im Transit zu einer Art Sozialstelle geschickt, die uns lachend den Rat gab, einfach „Sheraton“ einzutragen. So konnten wir problemlos passieren und machten uns auf die Hotelsuche, was sich ohne Kreditkarte schwierig gestaltete. Endlich fanden wir ein kleines Hotel, das bereit war, uns gegen tägliche Vorauszahlung in bar aufzunehmen. Als wir an der Kongress-Registrierung unsere Pässe vorzeigten, wurden wir als „Exoten“ bestaunt und bekamen ein kostenloses „Badge“.

In der Klinik nahm die Elektrophysiologie immer mehr Zeit in Anspruch, da die Patientenzahlen stiegen und sich die chirurgischen Techniken zur Behandlung medikamentös nicht einstellbarer Patienten mit tachykarden Rhythmusstörungen weiterentwickelten. Da das intraoperative „Mapping“ zwei Mitarbeiter erforderte, wurde es in unserem kleinen Team immer schwieriger, die Balance zwischen Klinikroutine und elektrophysiologischer Arbeit einzuhalten. Ebenfalls zeitintensiv war die „Computerisierung“ der Daten. Günter lernte schnell die Handhabung des Rechners, und wenn es auch manche „Panne“ gab, so hätten wir die Digitalisierung damals ohne ihn nicht geschafft.

Spätestens mit der Habilitation von Günter Breithardt 1978 über die Sinusknotenfunktion waren die wissenschaftlichen Aktivitäten der Gruppe nicht mehr zu übersehen. So wurden wir gebeten, den in die Jahre gekommenen SFB 30 („Kardiologie“) durch ein elektrophysiologisches Programm zu verstärken. Als dann 1986 ein neuer SFB 242 („Koronare Herzkrankheit – Prävention und Therapie akuter Komplikationen“) folgte, war ein Forschungsschwerpunkt die Voraussagewahrscheinlichkeit des plötzlichen Herztodes mittels programmierter Simulation und Spätpotenziale.

Beim Umzug der Klinik 1984 wurde auf Günters Initiative hin ein technisch überholter Herzkatheterplatz aus der alten Klinik im neuen Gebäude zusätzlich aufgestellt, was der Elektrophysiologie einen eigenen Katheterraum bescherte. Im Juli desselben Jahres fand in Düsseldorf der Europäische Kardiologenkongress unter der Leitung unseres Chefs Prof. Franz Loogen als ESC-Präsident statt. Da die Gesellschaft noch keine eigene Kongressorganisation hatte, wurde ein Kongresskomitee mit Günter Breithardt als „princeps inter pares“ und weiteren Oberärzten gebildet. Die Veranstaltung war so ein Erfolg, dass die ESC beschloss, zukünftig den Kongress jährlich statt bisher vierjährig stattfinden zu lassen.

Ebenfalls 1984 wurde in Düsseldorf sowohl der erste automatische Defibrillator in Deutschland zusammen mit den Herzchirurgen implantiert als auch der erste transvenöse Cardioverter. Zwei Jahre später führten wir gleichzeitig mit einer Gruppe in Paris die erste Hochfrequenzablation beim Menschen durch; zuerst zur Unterbrechung der AV-Überleitung, kurz darauf einer akzessorischen Bahn. Das sollte die klinische Elektrophysiologie grundlegend verändern.

Mit der Emeritierung von Prof. Loogen übernahm Günter Breithardt 1986 die kommissarische Leitung der Klinik. Im Januar 1988 wurde er auf das Ordinariat mit der Leitung der kardiologischen und angiologischen Klinik in Münster berufen, wohin ihm die gesamte elektrophysiologische Arbeitsgruppe folgte. Diese „Bilderbuchkarriere“ wurde noch gekrönt durch die Präsidentschaft der ESC 1996–1998 und der DGK 1999–2001 sowie die Ehrendoktorwürde der Universität Coimbra, Portugal. So möchte ich dem „Octogenarius“ wohl auch im Namen aller damaligen Mitarbeiter herzlich gratulieren und noch viele schöne Jahre wünschen.

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