Armamentarium für komplexe Läsionen ergänzt

Kommentar--

Von Dr. Bastian Wein und Prof. Philip Raake Veröffentlicht:
Prof. Dr. Philip Raake-- Uniklinik Augsburg Raake

Prof. Dr. Philip Raake-- Uniklinik Augsburg

© Raake

Dr. Bastian Wein-- Uniklinik Augsburg Wein

Dr. Bastian Wein-- Uniklinik Augsburg

© Wein

Mit der intravaskulären Lithotripsie (IVL) steht ein weiteres Instrument zur Behandlung stark verkalkter Herzkranzgefäße zur Verfügung. Mit der Zulassungsstudie DISRUPT I bis IV, inkl. der gepoolten Analyse, liegen gute erste Daten zur Sicherheit und Effektivität der Methode vor.

Die im Vergleich zu einer all-comer DES-Population doch recht hohe MACE-Rate von 7,3 % innerhalb von 30 Tagen (z. B. 7,2 % MACE im BASKET-PROVE II Trial, aber über 24 Monate), zeigt das hohe kardiovaskuläre Risiko in dieser speziellen Patientenpopulation.

Die IVL hat sich als sicheres, effektives und seit 2023 auch vergütetes Verfahren etabliert. Gerade in Anbetracht der doch hohen MACE-Rate ist jedoch gerade bei stark verkalkten Läsionen ein mit intravaskulärer Bildgebung unterstütztes Vorgehen wichtig. Mit dieser kann die Kalkbeschaffenheit und -verteilung erfasst und das Vorgehen und der Einsatz verschiedener Behandlungsmodalitäten geplant werden. Zudem erlaubt sie den Erfolg der Läsionspräparierung und Stentimplantation zu kontrollieren und ggf. zu optimieren. Dies führt, wie Lee et al. im RENOVATE-COMPLEX-PCI-Trial zeigten, zu einer Reduktion des Zielgefäßversagens von 12,3% auf 7,7 % über 3 Jahre.

In den DISRUPT-Studien konnte in 98,7 % der IVL-Ballon platziert werden. Im klinischen Alltag gibt es Situationen, in denen eine Läsion nicht mit Ballons passiert, oder in denen trotz Passage der Läsion mit semi- oder non-compliant Ballons der IVL-Ballon aufgrund des höheren Crossing-Profils und der erhöhten Rigidität nicht in die Läsion vorgebracht werden kann. Gerade hier zeigt sich, dass die IVL nicht nur ein kompetitives Verfahren zur Rotations- oder orbitalen Atherektomie darstellt, sondern IVL und Atherektomie auch komplementär zum Einsatz kommen können bzw. müssen. Nach inkompletter Läsionspräparierung mittels Atherektomie kann die IVL gerade bei tiefem Kalk die Läsionspräparierung optimieren, alternativ kann die Atherektomie den Weg für den IVL-Ballon in die Läsion eröffnen.

Das EAPCI Konsensuspapier der EURO4C-PCR-Gruppe gibt einen Überblick, wie wir in dieser Hochrisikopopulation mit komplexen, weil stark verkalkten Koronarläsionen, die verschiedenen uns zur Verfügung stehenden Behandlungsverfahren optimalerweise bildgebungsgestützt und je nach Patienten-, Koronar-, Plaque- und Kalkcharakteristika differenziert zum Einsatz bringen können. Dies mit dem Ziel eines bestmöglichen Interventionserfolges und damit bestmöglicher Risikoreduktion für die Patientinnen und Patienten.

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