Kardiale MRT geht immer vor EMB

Kontra--

Von Prof. Dr. Sebastian Kelle Veröffentlicht:
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Derzeit ist die nicht invasive Goldstandardmethode für die Diagnose einer Myokarditis die kardiale Magnetresonanztomografie (MRT; Klasse-I-Empfehlung in den ESC-Leitlinien seit 2012). Die diagnostische Sensitivität der kardialen MRT ist hoch für infarktähnliche Präsentationen, niedrig für Kardiomyopathie- oder Arrhythmie-Präsentationen einzuschätzen. Mithilfe dieser strahlungsfreien, nicht invasiven Methode kann mit hoher diagnostischer Genauigkeit eine Aussage bzgl. der Anatomie und Funktion des Myokards sowie eine präzise Gewebecharakterisierung erfolgen.

MRT wird zu wenig genutzt

In den meisten Fällen ist eine genaue Phänotypisierung einer myokardialen Erkrankung möglich, und die Einleitung einer individualisierten Therapie kann signifikant verbessert werden. Es hat sich gezeigt, dass das Muster der Narbendarstellung/Fibrose im MRT (LGE), das potenzielle Fortschreiten und das Ausmaß der fokalen Fibrose das Risiko unerwünschter kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit Verdacht auf Myokarditis vorhersagen können. Obwohl der Wert der kardialen MRT bei akuter Myokarditis weitgehend erwiesen ist und sich in den aktuellen Empfehlungen der ESC zur Diagnostik bei inflammatorischen Kardiomyopathien und im Rahmen von COVID-19 bzw. post-Impfung darstellt, wird diese Technologie nach wie vor zu wenig genutzt, was teils auf die begrenzte Verfügbarkeit der kardialen MRT in der klinischen Standardpraxis zurückzuführen ist. Wichtig ist eine standardisierte Durchführung sowie eine fundierte Auswertung, die durch im kardialen MRT zertifizierte Fachärzte mit kardiologischem Wissen erfolgen sollte.

Vorsicht bei hämodynamischer Instabilität

Der Nutzen der kardialen MRT bei Patienten mit hämodynamischer Instabilität ist aufgrund schneller oder unregelmäßiger Herzfrequenzen und mechanischer Beatmung oft begrenzt. Bei diesen Patienten, die sich mit einer akuten Herzinsuffizienz und beispielsweise symptomatischer ventrikulärer Tachykardie oder Schock präsentieren, wird ein Endomyokardbiopsie (EMB)-geführter Ansatz empfohlen (AHA- und ESC-Empfehlung der Klasse I).

EMB ist meist verzichtbar

Ausgehend von einem patientenzentrierten Ansatz kann heute in den meisten Fällen auf eine invasive Diagnostik (EMB) bei Durchführung einer nicht invasiven kardialen Bildgebung verzichtet werden. Die Entscheidung zur Durchführung einer EMB sollte immer erst nach erfolgter nicht invasiver Bildgebung mit klar zu erwartendem therapeutischem Benefit für den Patienten gestellt werden. Im Kontext der individuellen Behandlung können sich beide Verfahren sehr gut ergänzen.

Kontakt-- Prof. Dr. Sebastian Kelle, Deutsches Herzzentrum der Charité, Berlin, sebastian.kelle@dhzc-charite.de

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